Politiker und Wahlen, Wählen Sie frei, Äußern Sie aktiv Ihr demokratisches Recht, Online-Referendum
left right

Einzelheiten Atomkraft in der Schweiz - DAFÜR

> Switzerland > Ereignisse > Atomkraft in der Schweiz
Atomkraft in der Schweiz - DAFÜR Atomkraft in der Schweiz - DAFÜR
Atomkraft in der Schweiz - DAFÜR
Klicken Sie, wenn Sie die Kernenergie (Atomkraft/Nuklearenergie) und ihre Nutzung unterstützen. Sagen Sie warum?!
email

KANDIDATENBESCHREIBUNG: 

Atomkraft in der Schweiz - DAFÜR

GER: Mit Kernenergie, Atomenergie, Atomkraft, Kernkraft  oder Nuklearenergie wird die Technologie zur großtechnischen Erzeugung von Sekundärenergie wie elektrischem Strom mittels Kernreaktionen bezeichnet. Während Kernfusionsreaktoren seit langem im Forschungsstadium sind, praktiziert man die Kernspaltung in Kernkraftwerken – überwiegend unter Verwendung des Kernbrennstoffs Uran – seit den 1960er Jahren in vielen Ländern.

 

Kritik

Die Nutzung der Kernenergie zur Erzeugung von elektrischem Strom wird von der Anti-Atomkraft-Bewegung sowie von den Grünen, der Linkspartei, der SPD sowie – je nach Umfrageergebnissen und ihrer Interpretation – von etwa der Hälfte der deutschen Bevölkerung abgelehnt. Die Kritiker sind der Auffassung, dass der Betrieb von Kernkraftwerken sowie die Endlagerung des abgebrannten Kernbrennstoffs unverantwortliche Sicherheitsrisiken (siehe auch Restrisiko) bergen.

 

Risikowahrnehmung

Die psychologische Forschung zur Risikowahrnehmung hat ergeben, dass Laien die Gesundheitsrisiken der Kernenergie im Vergleich zu Experten überbewerten. Zweitens wird das Gesundheitsrisiko durch Strahlung in der Öffentlichkeit nicht über alle Strahlungsquellen hinweg konsistent empfunden.

Bei einer der ersten psychometrischen Studien (1978), in der drei Gruppen von Laien und eine Expertengruppe jeweils 30 verschiedene Aktivitäten und Technologien in eine Rangfolge gemäß ihrer relativen Gesundheitsrisiken bringen sollten, schätzten Experten die Risiken der Kernenergie als deutlich niedriger ein als die Laien. Hingegen unterschätzten die Laien das Strahlenrisiko durch Röntgen im Vergleich zu Experten. Die Kernenergie wurde als weniger freiwillig, katastrophaler, furchteinflößender, eher tödlich, weniger kontrollierbar und neuer empfunden. Eine Faktorenanalyse ergab zwei zentrale Faktoren: Furcht und, zu einem geringeren Ausmaß, Unbekanntheit. Diese zwei Hauptfaktoren wurden in Folgeuntersuchungen bestätigt. Sie gelten für Laien; Experten sehen Risiko stattdessen als synonym mit der erwartbaren Mortalitätsrate.

Weitere, repräsentative Studien der folgenden Jahrzehnte aus den USA, Schweden, Kanada, Norwegen und Ungarn kamen ebenfalls zu dem Ergebnis, dass die Kernenergie als Hochrisikotechnologie mit niedrigem Nutzen für die Gesellschaft empfunden wird, hingegen die Röntgenstrahlung als sehr nützlich und risikoarm.

Vor dem Unfall im Kernkraftwerk Three Mile Island erwarteten die Amerikaner Katastrophen immenser Ausmaße durch derartige Unfälle, vergleichbar mit den Folgen eines Atomkriegs. In nach dem Unfall durchgeführten Replikationen dieser Umfragen wurden noch extremere Vorstellungen festgestellt.

Der Wissenschaftshistoriker Spencer R. Weart (1988) argumentiert, dass das moderne Denken über Kernenergie durch Vorstellungen und Symbolen geprägt ist, die seit Jahrhunderten mit der Transmutation assoziiert werden. Smith (1988) betonte, die Wahrnehmung über Kernenergie sei untrennbar von der Atombombe beeinflusst. Erikson (1990) wies auf das breite Thema der Toxizität hin, das mit neuen Technologien assoziiert wird, wie auch im Bereich der Chemikalien. Durch unsichtbare, durchdringende und kaum zu beseitigende Kontaminationen sei ein prinzipieller Unterschied zu Naturkatastrophen von Bedeutung in der Risikowahrnehmung. Viele Studien fanden, dass die meisten Menschen (60-75%) glauben, dass ein Kontakt mit radioaktiver Strahlung eines Tages Krebs auslösen würde. Diese Empfindung erklärt, warum es für viele Menschen nie zu teuer sein kann, Strahlung zu vermeiden. In einer Analyse (1993) von mehr als 500 lebensrettenden Interventionen wurden für Strahlenschutz die höchsten Kosten pro gerettetem Lebensjahr ermittelt.

 

Auswirkungen

Die Auswirkungen der Risikowahrnehmung sind immens. Obwohl beispielsweise kein Mensch an den Folgen des Three Mile Island-Unfalls starb und nur wenige Krebstodesfälle erwartet wurden, hat kein anderer Unfall in der US-amerikanischen Geschichte derart hohe soziale Kosten verursacht (strengere Auflagen, geringere Auslastung der Kraftwerke, Verlagerung auf teurere Energiequellen). Laut Kaperson et al. ist hier der Signalwert zentral, also Informationen über die Wahrscheinlichkeit und das Ausmaß zukünftiger Unfälle. Der Signalwirkungen eines Unfalls im Umfeld einer bekannten Technologie (z.B. Eisenbahnunglück) kann damit selbst bei vielen Todesopfern deutlich unter denen einer als weniger gut verstanden empfundenen Technologie wie der Kernenergie liegen.

Die mit der Strahlenkontamination einhergehende Stigmatisierung kann ebenfalls substanzielle sozioökonomische Folgen haben. Beispielsweise führte der Goiânia-Unfall (1987) dazu, dass Bewohner der Region in anderen Landesteilen nicht mehr als Hotelgäste akzeptiert wurden, und Piloten sich weigerten, mit ihnen an Bord zu fliegen. Der Tourismus in der Region nahm erheblichen Schaden, und die die Verkaufspreise von Produkten aus der Region brachen für mindestens einen Monat ein, obwohl bei keinem untersuchten Produkt je eine Kontamination festgestellt wurde.

 

Risikokommunikation

Viel wurde über die Notwendigkeit der Risikokommunikation und die dabei erfahrenen Schwierigkeiten geschrieben. Wichtig ist stets, die Information so zu vermitteln, dass die Entscheidungsfindung erleichtert wird. Beispielsweise zeigten sich Medien in einem Fall einer sehr niedrigen 1,2-Dibromethan-Belastung von Lebensmitteln in den 1980er Jahren nicht imstande, die von der Environmental Protection Agency (EPA) herausgegebenen Informationen in praktische Verzehrsempfehlungen zu übersetzen.

Vergleiche von Risiken sind eine Standard-Herangehensweise in der Risikokommunikation. Statements wie: "Das jährliche Risiko, neben einem Kernkraftwerk zu leben, ist äquivalent zu drei Meilen Autofahren", sind jedoch nicht immer effektiv und können statt Aufklärung Ärger produzieren. Effektivere Vergleiche lassen sich zwischen verschiedenen Strahlungsquellen ziehen. Beispielsweise war die zusätzliche, lebenslange Strahlendosis nach dem Tschernobyl-Unfall für Menschen in Weißrussland deutlich geringer als die lebenslange Strahlendosis durch einen Umzug von New York City nach Denver. Als die Strahlung des Tschernobyl-Unfalls die USA erreichte, verdeutlichte die EPA über die Medien, dass die dadurch erhaltenen Dosen weitaus kleiner waren als die einer Röntgenuntersuchung. In Europa war die Risikokommunikation zu Tschernobyl hingegen ein Desaster. Behörden machten unterschiedliche Angaben, die Maßeinheiten wurden durcheinander geworfen, die Öffentlichkeit misstraute den Vergleichen mit natürlicher Strahlung und reagierte teilweise erzürnt.

Psychologische Forschung hat gezeigt, dass Risikoempfindungen sehr persistent sind und sich nur langsam ändern. Neue Erkenntnisse werden eher als zuverlässig empfunden, wenn sie die ursprüngliche Auffassung bestätigen. Wenn die urspüngliche Meinung hingegen wenig geformt ist, reagieren Menschen sehr schnell auf Meldungen. Dem Framing-Effekt kommt dann eine entscheidende Bedeutung zu. 
Das Scheitern von Risikokommunikation kann in vielen Fällen durch einen Mangel an Vertrauen erklärt werden. Medizinischen Technologien, wie Röntgen, wird mehr Vertrauen geschenkt als industriellen Technologien wie der Kernenergie. Es ist zudem sehr schwer, Vertrauen aufzubauen, aus folgenden Gründen:

  • negative (vertrauensmindernde) Ereignisse sind leichter erkennbar als positive. Während negative Ereignisse häufig die Form spezifischer, klar umrissener Vorfälle wie Unfälle, Lügen oder Fehler annehmen, sind positive Ereignisse häufig schwer greifbar. Wie viele positive Ereignisse beispielsweise in einem 24stündigen unfallfreien Betrieb eines Kernkraftwerks enthalten sind, ist nicht offensichtlich.
  • negativen Ereignissen wird größeres Gewicht beigemessen als positiven, selbst wenn letztere als solche erkannt werden. Psychologische Experimente bezüglich hypothetischer Ereignisse in Kernkraftwerken belegen dies.
  • negative Nachrichten werden als glaubwürdiger empfunden als positive Nachrichten; dies ist ebenfalls durch psychologische Experimente bewiesen.
  • Misstrauen ist selbstverstärkend. Erstens weil Misstrauen die persönlichen Kontakte und Erfahrungen verhindert, die Misstrauen senken können. Zweitens beeinflusst Misstrauen die Interpretation von Ereignissen gemäß ursprünglicher Auffassungen.

 

Schweiz

In der Schweiz gab es bereits mehrere Volksabstimmungen zum Thema Kernenergie. Die erste wurde 1979 mittels einer Volksinitiative für nukleare Sicherheit durchgeführt, die abgelehnt wurde. 1984 gab es eine Abstimmung über die Initiative „Für eine Zukunft ohne Kernkraftwerke“, das mit 45 % aber ebenfalls scheiterte. Am 23. September 1990 gab es zwei weitere Volksabstimmungen über Kernenergie. Die Initiative „Stoppt den Bau von Kernkraftwerken“, die eine zehnjährige Wartefrist für den Bau neuer Kernkraftwerke vorschlug, war mit 54,5 % erfolgreich. Die Initiative für den Ausstieg wurde mit 47,1 % abgelehnt. 2000 wurde ein Referendum über die Einführung einer Ökosteuer durchgeführt, deren Aufkommen in die Förderung der Sonnenenergie fließen sollte. Dieses blieb ebenfalls erfolglos. Zwei weitere Volksentscheide - am 18. Mai 2003 - wurden beide abgelehnt:

  • „Strom ohne Atom“ bat um einen Ausstieg (33,7 % dafür),
  • „Für längere Wartefristen“ sah eine Verlängerung der Wartefristen vor (41,6 % Zustimmung), die beim Referendum „Stoppt den Bau von Kernkraftwerken“ festgelegt worden waren.

Die Initiative „Strom ohne Atom“ hatte vorgesehen, bis 2033 alle Kernkraftwerke zu schließen. Hierbei sollte mit den beiden Reaktoren in Beznau begonnen werden; Mühleberg sollte 2005 folgen, Gösgen 2009 und Leibstadt im Jahr 2014. „Für längere Wartefristen“ plante eine Anhebung der Wartefristen um weitere zehn Jahre und zusätzlich eine Bedingung, die aktuellen Reaktoren nach einer Gesamtlaufzeit von vierzig Jahren zu schließen. Um genau diese vierzig Jahre um weitere zehn Jahre zu verlängern, wäre eine erneute Volksabstimmung notwendig, (diese würde hohe Verwaltungskosten verursachen). Das Scheitern von „Für längere Wartefristen“ war für viele sehr überraschend, da zuvor durchgeführte Meinungsumfragen eher das Gegenteil voraussagten. Die zum Zeitpunkt des Volksentscheids (Mai 2003) verschlechterte Wirtschaftslage der Schweiz wurde vielfach als Hauptgrund für die Ablehnung beider Initiativen betrachtet.

In der Schweiz werden insgesamt fünf Kernreaktoren (Beznau 1 und 2, Gösgen, Leibstadt und Mühleberg) betrieben. 39 % des Stroms wird durch Kernenergie erzeugt, weitere 56,1 % mit Wasserkraftwerken und 4,9 % in konventionell-thermischen Kraftwerken bzw. auf der Basis anderer regenerativer Energien (2008). Überwacht werden sie vom Rat des eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (Ensi; Aufsichtsbehörde für die nukleare Sicherheit und Sicherung der schweizerischen Kernanlagen; der Rat ist ein «unabhängiges» Gremium, das vom Bundesrat gewählt wird und nur diesem direkt unterstellt ist.)

Da die Kernkraftwerke Beznau und Mühleberg ihre geplante Laufzeit in den nächsten Jahren erreichen werden, wird derzeit über den Neubau zweier neuen Kernkraftwerke nachgedacht. Der Schweizer Energieversorger Atel favorisiert die Standorte Gösgen und Beznau und gab die Gründung einer Planungsgesellschaft für die beiden Anlagen mit einer Leistung von je 1.600 MW bekannt. „Ich hoffe, dass die neuen Anlagen spätestens bis 2020 ans Netz gehen können. Sie werden mindestens 60 Jahre laufen können“, sagte Atel-Chef Giovanni Leonardi dazu. Am 10. Juni 2008 hat die Aare-Tessin AG für Elektrizität beim Bundesamt für Energie (BFE) ein Gesuch um eine Rahmenbewilligung für ein zweites Kernkraftwerk in Gösgen eingereicht, das Kernkraftwerk Niederamt heißen soll. Dieses soll ab 2025 Strom liefern.

Am 30. November 2008 stimmten 76,4 Prozent des Wahlvolkes der Stadt Zürich für einen Ausstieg aus der Kernenergie. In der Gemeindeordnung wird festgehalten, dass die Stadt sich an keinen Neubauten von Atomkraftwerken beteiligen darf und auf neue Bezugsrechte von Atomstrom verzichtet. Die Beteiligung am AKW Gösgen wird 2039 enden.

 

Atommüll

Im Bundesbeschluss zum schweizerischen Atomgesetz vom 6. Oktober 1978 wurde die Gültigkeit von Betriebsbewilligungen für Kernkraftwerke nach dem Jahr 1985 vom Nachweis der sicheren Entsorgung abhängig gemacht. Der Bundesbeschluss war befristet bis zum Inkrafttreten eines neuen Atomgesetzes, jedoch längstens bis zum 31. Dezember 1983. Am 18. März 1983 wurde er bis Ende 1990 und am 22. Juni 1990 bis Ende 2000 verlängert. In der Botschaft an das Parlament vom März 2000 wurde die Änderung des Bundesbeschlusses und dessen erneute Verlängerung bis zum 31. Dezember 2010 beantragt und am 6. Oktober 2000 beschlossen.

Die Schweiz hat seit Juni 1999 ein neues Gesetz zur Entsorgung radioaktiver Abfälle. Es legt fest, dass der Erzeuger radioaktiver Abfälle für die dauernde, sichere Entsorgung und Endlagerung bzw. Beseitigung verantwortlich ist.

In der Schweiz ist die Nagra (Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle) von den Verursachern radioaktiver Abfälle beauftragt, Lösungen für die Lagerung des Atommülls zu erarbeiten und zu realisieren. Seit 2001 werden verbrauchte Brennelemente und sonstige radioaktive Abfälle sukzessive ins Zwischenlager in Würenlingen transportiert. In Benken ZH ist ein Lager für hochradioaktiven Abfall geplant. Atomgegner kritisieren, dass die Entscheidung für das Wirtsgestein Opalinuston nicht nachvollziehbar ist, nachdem jahrelang eine Endlagerung in Granitgestein favorisiert wurde. Außerdem sei die Tonschicht sehr dünn und die Folgen von Wärmeentwicklung auf das Gestein nicht ausreichend untersucht.

Im Forschungs-Felslabor Mont Terri wurden Bakterien und (an anderer Stelle) aus dem Meer stammende Salzwasser-Reste im Gestein gefunden, was seine Undurchlässigkeit laut Labor-Direktor Paul Bossart „nach spätestens 100'000 Jahren“ in Frage stellt. Es gibt aber Nuklide im Abfall, die wesentlich länger strahlen.

 

Quelle 1

Quelle 2

 

 

12. April 2011

icon Atomkraft in der Schweiz
icon Atomkraft in der Schweiz

ElectionsMeter ist nicht verantwortlich für den Inhalt des Arguments. Bitte wenden Sie sich immer an den Autor des Textes. Jeder Text, der in ElectionsMeter veröffentlicht wird, sollte den Namen des Autors und den Verweis auf die ursprüngliche Quelle beinhalten. Die Nutzer sollten das Gesetz über den Schutz des Urheberrechts berücksichtigen. Bitte lesen Sie sorgfältig die Nutzungsbedingungen der Website. Wenn der Text einen Fehler oder falsche Informationen enthält und Sie das Profil korrigieren wollen, oder Sie das Profil verwalten möchten, wenden Sie sich bitte an uns. kontaktieren Sie uns..

 
load menu