Politiker und Wahlen, Wählen Sie frei, Äußern Sie aktiv Ihr demokratisches Recht, Online-Referendum
Roland Koch

Roland Koch: Lustloser Landesvater

Roland Koch 51%

button ElectionsMeter.com

Es waren die Nächte der Entscheidung, es ging um wegweisende Beschlüsse für Deutschland, und Roland Koch war in seinem Element. Im Frühjahr, als das politische Pokern um Opel in die entscheidende Phase ging, hielt der hessische Ministerpräsident die stärksten Karten in der Hand.

Roland Koch Bild von ddpKoch war es, der sich früh auf den Bieter Magna festlegte und diese Variante am Ende durchsetzte. Der Hesse stand für den Erfolg, nicht sein aufstrebender bayerischer Unions-Konkurrent Karl-Theodor zu Guttenberg, der zwischendurch mal einer Opel-Insolvenz das Wort geredet hatte.

 


In solchen Momenten genießt Roland Koch das Amt des Ministerpräsidenten. Doch ach, die Weltgeschichte schaut nicht jeden Tag in Wiesbaden vorbei.

Wenn der Hessische Landtag in dieser Woche über den Schutz der Verbraucher vor Schummel-Käse debattiert, wird sich der 51-jährige Landesvater aus Eschborn zuweilen wünschen, weit weg zu sein. Manchmal wird er es auch dürfen. Koch, stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender, handelt die schwarz-gelbe Koalition in Berlin mit aus. Viele fragen sich, ob es ihn am Ende selbst in die Bundeshauptstadt zieht, etwa als Finanzminister. Koch antwortet regelmäßig mit Nein, und das schon seit Jahren. "Ich habe sehr früh gesagt, dass mein Platz in Wiesbaden ist, und daran ändert sich nichts", lautete seine Formulierung am Montag im ZDF.

Ein Wirtschaftsliberaler

Vor vier Jahren, bei der vorigen Bundestagswahl, gab es schon die gleichen Gerüchte - und doch war es anders. Koch war stärker. Daheim in Hessen hatte er 2003 eine für unvorstellbar gehaltene absolute CDU-Mehrheit eingefahren. Koch war ein Vorreiter der wirtschaftsliberalen CDU, privatisierte als erster eine Uniklinik und ein Gefängnis, führte gegen alle Widerstände Studiengebühren ein.

Heute, zwei hessische CDU-Wahlschlappen später, die er nur wegen der vier SPD-Abweichler in der Staatskanzlei überstand, hinterlässt der Ministerpräsident häufig den Eindruck, dass er keine große Lust mehr hat. Die Agenda der Union scheint abgearbeitet zu sein; die neuen Akzente in der Integrations- und Bildungspolitik kommen vom neuen Koalitionspartner FDP, und die Studiengebühren in Hessen sind wieder abgeschafft.

Koch ist nicht mehr der starke Mann wie 2005. Aber seine Kompetenz in Wirtschafts- und Finanzfragen bleibt unbestritten. In dieser Rolle zeigt er der FDP Grenzen bei Steuerentlastungen auf: 15 Milliarden Euro, nicht mehr. Niemand rechnet in Wiesbaden damit, dass ein ehrgeiziger Mann wie Koch 2014, nach dann 15 Jahren im Amt, noch mal zur Wiederwahl antritt. Aber was will er tun?

Es sieht es so aus, als lasse Koch die Chancen verstreichen, als Minister nach Berlin oder als EU-Kommissar nach Brüssel zu gehen. Hessens CDU hat wieder Franz Josef Jung für Merkels Kabinett nominiert. Wenn es so kommt, spricht viel dafür, dass der Vollblut-Politiker Koch aus der Politik aussteigt und als Manager in die Wirtschaft geht. Am . esten in einen Job, wo der Hauch der Weltgeschichte weht.

 

Von Pitt von Bebenburg

 

Quelle: F R-online.de (09. Oktober 2009)


martina -
Markierenno spam

ElectionsMeter ist nicht verantwortlich für den Inhalt des Arguments. Bitte wenden Sie sich immer an den Autor des Textes. Jeder Text, der in ElectionsMeter veröffentlicht wird, sollte den Namen des Autors und den Verweis auf die ursprüngliche Quelle beinhalten. Die Nutzer sollten das Gesetz über den Schutz des Urheberrechts berücksichtigen. Bitte lesen Sie sorgfältig die Nutzungsbedingungen der Website.

Zurück zur Abstimmung: > Germany > Politiker > Roland Koch
 
load menu