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Kurt Georg Kiesinger

„Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger...“

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Von Wulf Schmiese


30. Dezember 2008 Nur wenige Stunden vor dem Ende des Jahres wendet sich die Politik ans Volk, seit Jahrzehnten schon. Drohen Krisen, wird Klartext gesprochen: Die „lieben Landsleute“ müssten befürchten, dass es im kommenden Jahr „abwärts“ gehe mit Deutschland wegen der „gespannten finanziellen und wirtschaftlichen Situation“. Ernst blickte Heinrich Lübke dazu in die Kamera. Die Silvesteransprache 1966 hielt noch er, der Bundespräsident. Erst seit 1970 besetzt der Bundeskanzler diesen prominenten Sendeplatz – bis dahin sprach der stets zu Weihnachten.

Lübkes Worte bezogen sich auf das erste wirtschaftliche Krisenjahr der Bundesrepublik. Nach hohen Wachstumsraten von fünf Prozent war die Konjunktur zum Jahresende 1966 derart eingebrochen, dass Kanzler Ludwig Erhard aufgeben musste. „Mahnungen und Warnungen von verantwortungsbewussten Sachkennern“ seien „als Kassandrarufe abgetan“ worden, ärgerte sich Lübke. „Aus der augenblicklichen Notlage können wir aber nur herauskommen, wenn wir unsere ganze Kraft, Sparsamkeit und Geduld dafür einsetzen, unsere Wirtschaft wieder in Ordnung zu bringen.“

Knarren im Äther

Die Wirtschaft schrumpfte 1967 um 0,3 Prozent – die erste Rezession der Bundesrepublik. Ein Jahr später folgte die Entwarnung des Bundeskanzlers: „Diese Bundesregierung, die Regierung der Großen Koalition, hat nun das Gröbste geschafft, das, was unverzüglich getan werden musste, vor allem die Verhinderung eines wirtschaftlichen Abstiegs und die Ordnung der öffentlichen Finanzen.“ So lobte Kurt Georg Kiesinger in seiner Weihnachtsansprache die eigene Arbeit.

Die Rede der Regenten ans ganze Volk ist Brauchtum in Deutschland, seit es den Rundfunk gibt. Als es begann, litt die Mehrheit der Deutschen wirklich Not und gierte nach Trost. Am 25. Dezember 1923 um 20 Uhr zur Eröffnung des Abendprogramms der „Radiostunde AG“ aus dem Voxhaus Berlin knarrte durch den Äther der allererste dieser Grüße, dargebracht von Reichskanzler Wilhelm Marx. Der blasse Zentrums-Politiker war kein großer Redner, aber die Worte, die er live und mit köllschem Tonfall sprach, waren anrührend. Marx dankte dem Ausland für die Unterstützung der Notleidenden in Deutschland: „Diese Hilfsbereitschaft menschlich Denkender in allen Ländern der Welt ist wie ein Lichtzeichen, das uns Hoffnung leuchtet in der Finsternis.“

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Text: F.A.Z.

Bildmaterial: picture-alliance / dpa, picture-alliance/ dpa/dpaweb

 

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